200 Ottfinger Bürger und Bürgerinnen stimmten für einen Dorfladen mit einer Versorgungsgenossenschaft als Träger

Projektgruppe ruft zur verbindlichen Unterschrift zum Kauf von Genossenschaftsanteilen auf

 

Ottfingen. Es ist noch nicht die Entscheidung, dass es in Ottfingen im nächsten Jahr einen Dorfladen geben wird. Aber es ist ein weiterer wichtiger Schritt, die Nahversorgung durch das Engagement der Bürger und Bürgerinnen im 4. größten Ort der Gemeinde Wenden mittel- und langfristig zu sichern. Das von der Projektgruppe „Dorfladen“ der Zukunfts-Werkstatt-Ottfingen e.V. vorgestellte Konzept überzeugte die 200 anwesenden im Schützenhaus Ottfingen. Sie stimmten am Ende der Versammlung einstimmig für die Weiterführung der Arbeiten zum neuen Dorfladen.

 

„Für die weiteren Planungen ist es jetzt wichtig, dass wir verbindliche Zusagen für den Kauf von Genossenschaftsanteilen bekommen“, erläutert Olaf Arns, Mitglied der Projektgruppe, die zu nehmende nächste Hürde. Bis Ende November sind die Ottfinger Bürgerinnen und Bürger aufgefordert, durch eine verbindliche Absichtserklärung Genossenschaftsanteile zu zeichnen. Der Wert eines Anteils beträgt dabei 250,- EURO. „Wir benötigen eine breite Unterstützung im Ort und dies wird sich durch die Anzahl der Genossenschaftsmitglieder ausdrücken müssen“, so Arns weiter. Der entsprechende Vordruck wurde bereits am Eingang an jeden Teilnehmer der Dorfversammlung ausgegeben, kann aber auch bei den Mitgliedern der Projektgruppe abgeholt oder auf der Webseite www.ottfingen.info heruntergeladen werden. „Die Unterschriften kommt allerdings nur zum Tragen, wenn es in der für Anfang Januar geplanten Gründungsversammlung tatsächlich zu einer Versorgungsgenossenschaft kommen wird“, erläuterte Arns abschließend.

Vor dem Aufruf zum Unterzeichnen der Absichtserklärung führten die Mitglieder der Projektgruppe Jochen Bruch, Stefan Klör, Stefan Clemens und Olaf Arns aus, wie ein zukünftiger Dorfladen aussehen könnte und wie sich die Wirtschaftlichkeit langfristig darstellen lässt. „Wir haben in weit mehr als 500 Stunden Konzepte erstellt und die Wirtschaftlichkeit eines Dorfladens geprüft. Ein Dorfladen in Ottfingen ist machbar und kann sich langfristig etablieren“, so Stefan Clemens, der die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung vorstellte. Dabei dankte er den Inhabern des jetzigen Lebensmittelmarktes, Michael und Ilona Arns, die ihr Geschäft zum Jahresende aufgeben werden: „Wir wurden mit den Zahlen der vergangenen Jahre versorgt und hatten so eine fundierte Basis für die Zukunftsplanung.“ Zudem hat ein genossenschaftlich geführter Laden Vorteile gegenüber einem privat geführten Geschäft. „Als Genossenschaft können wir versuchen, Fördergelder für den geplanten, umfangreichen Umbau zu beantragen. Zudem sind viele unserer Kunden auch Eigentümer und partizipieren am Erfolg oder Misserfolg des Dorfladens“, erklärte Stefan Clemens. Die Projektgruppe rechnete dabei vor, dass bei 380 Genossenschaftsmitgliedern ca. 160 EURO pro Monat und Haushalt im eigenen Lebensmittelgeschäft umsetzen müssen. Damit wäre der größte Anteil des benötigten Umsatzes garantiert und die langfristige Zukunft des Ladens gesichert. „Wenn man bedenkt, dass nach einer Studie der gfk deutschlandweit jede Person ca. 200 EURO pro Monat an Nahrungs- und Genussmittel ausgibt, sollte dieser Umsatz zu schaffen sein, zumal der Preisvergleich eines Warenkorbes mit 35 der am häufigsten verkauften Produkte aus den verschiedenen Warengruppen zum Gesamtwert von ca. 70,- EURO zeigt, dass ein kleiner Lebensmittelladen durchaus nicht oder nur unwesentlich teurer ist als die in unserer Region bekannten großen Lebensmittelketten“, stellte Stefan Klör weitere Daten vor. Eine weitere Basis zur Wirtschaftlichkeitbetrachtung bildete das Ergebnis der umfangreichen Umfrage, die im Oktober gestartet wurde. „An der Umfrage haben sich bislang 40% aller Ottfinger Haushalte beteiligt. Diese 40% machen heute schon 65% des benötigten Umsatzes aus, ohne die in den Umfragebögen angekündigten Mehrumsätze, wenn der Dorfladen gegründet werden sollte“, erklärte Stefan Klör die präsentierten Zahlen und Grafiken.

Auch das Konzept des möglichen Dorfladens soll sich vom heutigen Geschäft unterscheiden. Jochen Bruch erläuterte die neuen Ansätze: „Die Personalkosten sind für uns ein entscheidendes Kriterium. Wir planen nicht mit ehrenamtlichen Kräften. Der Laden muss sich mit bezahlten Arbeitskräften rechnen, wenn wir langfristig überleben wollen. Der Laden muss also so gestaltet sein, dass wir mit möglichst wenig Personal eine möglichst hohe Effizienz erreichen.“ Das als 3D-Grafik auf 250m2 geplante und vorgestellte Ladenkonzept wirkt dabei einladend und gemütlich. „Wir wollen, dass die Einkaufsatmosphäre die Kunden dazu einlädt, gerne in den Dorfladen zu kommen und wenn sie wollen, auch über den Einkauf hinaus etwas zu verweilen“, so Jochen Bruch weiter. Diese Möglichkeit wird durch eine kleine Sitzecke geboten, wo es zukünftig ein Angebot an belegten Brötchen, Frikadellen oder Würstchen sowie warme und kalte Getränke, auch über Mittag, geben soll. Um das neue Konzept realisieren zu können, benötigt das Projekt allerdings finanzielle Unterstützung in Form von Fördergeldern. Ein entsprechender Antrag bei LEADER ist in Vorbereitung ist derzeit in Vorbereitung. „Sollten wir keine Unterstützung bekommen und somit kein neues, sich von den großen Geschäften differenzierendes Konzept fahren können, wird es schwierig mit dem langfristigen Erfolg“, so Jochen Bruch.

Kurz vor der Abstimmung, am Ende der Versammlung, wurde das weitere Vorgehen vorgestellt. Wichtigster Punkt war dabei schon der erwähnte Verkauf (verbindliche Zusage) von Genossenschaftsanteilen. „Nur wenn bis Ende November 350 Anteile gezeichnet werden, haben wir eine Basis es um als Projektgruppe weiter zu arbeiten“, appellierte Olaf Arns noch einmal an jede und jeden Anwesende(n), sich als Multiplikator für den Verkauf zu engagieren, bevor er die Versammlung beendete.