Flüchtlingshilfe in Ottfingen

Das Flüchtlingsthema gerät auch bei uns immer mehr in den Hintergrund. Doch es leben nach wie vor Flüchtlinge in unserem Ort. Ein engagierter Helferkreis kümmert sich seit fast einem Jahr um die Flüchtlinge in Ottfingen.

Ende April des vergangenen Jahres kamen die ersten Asylsuchenden bei uns an: junge Männer z. B. aus Pakistan, dem Irak und Albanien, die sehr dankbar waren für die freundliche Aufnahme in Ottfingen. Es bildete sich ein Helferkreis, der versuchte, das Ankommen hier bei uns zu erleichtern: mit einem wöchentlichen Stammtisch, mit Sprachunterricht, mit dem Knüpfen von Kontakten, aber auch mit Aktivitäten wie z. B. dem Besuch des Technikmuseums.

Als im Spätherbst die Anzahl der Flüchtlinge dramatisch zunahm und die Gemeinde sich entschloss, die Turnhalle in eine Unterkunft umzufunktionieren, veränderte sich die Lage erheblich. Da standen wir dann der ersten 5-köpfigen Familie gegenüber, konnten uns kaum verständigen, sahen aber die Blicke zu der riesigen Hallendecke, auf die Bauzäune und die Plastikplanen und wussten, dass wir jetzt noch ganz anders gefordert waren. Rasch füllte sich die Halle mit 22 Kindern und 18 Erwachsenen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, Ghana und Mazedonien. Da waren wir sehr dankbar, dass sich neben einigen Frauen und Männern, die täglich mindestens einmal in der Halle präsent waren, noch viele Mitbürger für die unterschiedlichsten Dienste fanden, wie zum Beispiel der Hilfe bei der Essensausgabe, für Einkäufe, Begleitung zu Ärzten, Schulen und Behörden. Ebenso wichtig war aber, dass wir den Schutzsuchenden das Gefühl geben konnten, dass Mitmenschlichkeit und Solidarität bei uns keine leeren Versprechungen sind, sondern dass immer jemand für sie da war. Daraus entwickelten sich innerhalb kurzer Zeit ganz intensive Beziehungen und auch wir Helfer wurden reich beschenkt, wenn bei unseren Besuchen die Kinder lachend in unsere Arme stürzten und auch die Erwachsenen uns freudig begrüßten.

Nun sind sie bis auf eine ghanaische Familie, die am Löhkopf eine sehr schöne Wohnung in einem herzlichen Umfeld gefunden hat, leider alle auf andere Orte verteilt worden. Dafür sind in den Container zwei Familien aus Afghanistan und Männer und Frauen aus Nigeria, Ghana, Somalia und dem Irak eingezogen. Nach über einem Jahr haben nun die ersten Asylsuchenden die Möglichkeit, ihren Asylantrag zu stellen. Obwohl sie es begrüßen, dass die Zeit des Wartens jetzt endlich ein Ende hat, sehen sie der Entscheidung doch mit Sorge entgegen. Und wir Helfer haben eine weitere Herausforderung zu bestehen, wenn wir uns nach dieser langen gemeinsamen Zeit verabschieden müssen. Die aber, die bei uns bleiben dürfen, brauchen Hilfen auf ihrem langen und beschwerlichen Weg zur Integration und wir brauchen einen langen Atem.